Kalenderprojekt „Darmstädter"

Georg Büchner, Justus von Liebig, Joseph Maria Olbrich, Wilhelm Leuschner – bekannte Namen aus Darmstadt – Menschen, die entscheidend zur kulturellen Identität unserer Stadt beigetragen haben. 

Aber was weiß man heute noch von ihnen? Und was ist mit den Persönlichkeiten, die mittlerweile in Vergessenheit geraten sind und uns dennoch so viel zu geben haben?

Der von mir schon lang geplante Monatskalender „Darmstädter“ ist Würdigung und Annäherung an 12 Darmstädterinnen und Darmstädter, die zur kulturellen Identität des heutigen Darmstadt beigetragen haben, darunter auch Persönlichkeiten, die der Öffentlichkeit heute nicht mehr so bekannt sind.

 

Der A3-Kalender ist ab Herbst 2018 im Handel und bei mir erhältlich. 

Interesse? Einfach eine Mail schreiben!

 

 

Der Weg ist das Ziel: Jedes Porträt, das entsteht, wird für mich zu einer spannenden Reise. Und das Textfeld auf dem Kalender ist viel zu klein für all die interessanten Details.
Wer Lust hat, mehr zu den einzelnen porträtierten Persönlichkeiten und das Kalenderprojekt zu erfahren, findet dies auf meinem Blog:

 

https://schneiderillustration.jimdo.com/blog-1/darmstädter-1/


Karoline Henriette Christine Philippine Luise von Pfalz-Zweibrücken, kurz: die große Landgräfin, ist die erste Darmstädter Persönlichkeit, die ich im Rahmen meines Kalenderprojekts “Darmstädter" gezeichnet habe. Sie ist mir ans Herz gewachsen und so etwas wie ein Leitmotiv geworden.

 

Bei der Lektüre einer Biographie über Karoline haben mich ihr Mut sowie ihr unkonventionelles Denken besonders beeindruckt. Sie ist gerne geritten, liebte frische Luft  und wanderte noch im Alter von  50 Jahren auf den Melibokus. In einer Zeit, in der man sich aus Angst vor Ansteckungen nicht zu waschen wagte und Flohfangkapseln an der Kleidung trug, eine bemerkenswert „frische" Verhaltensweise.

Ihrem leider recht phantasielosen und dem Militär zugeneigten Ehemann, Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt,  entkam die musisch und literarisch gebildete Karoline unter anderen durch die Korrespondenz mit Geistesgrößen ihrer Zeit.  So korrespondierte sie mit: Voltaire, Goethe, Herder, Weiland und auch Friedrich II. von Preußen. 

Zum Glück blieb Ludwig von Darmstadt weitgehend fern, so dass sich ein reges, kulturelles Leben entwickeln konnte.

So konnte Karoline unter anderem den jungen Goethe und den Kreis der Empfindsamen protegieren, auch wenn ihre Anwesenheit bei den Treffen nicht bestätigt werden kann. Neben ihrer kulturellen Aktivitäten gelang es ihr, ihre fünf Töchter geschickt zu verheiraten, was angesichts derer geringen Mitgift eine beachtenswerte Leistung an Diplomatie und Charme bedeutete.

 

Dass in Darmstadt zumindest für einige Generationen ein so weltoffenes, kulturelles Klima entstehen konnte, haben wir ihr zu verdanken. 

Anlässlich ihres Todes schickte Friedrich II. eine marmorne Urne mit der Aufschrift femina sexu, ingenio vir (von Geschlecht eine Frau, vom Geist ein Mann) nach Darmstadt, die noch heute im Herrengarten zu besichtigen ist. 

 


Heute ging ich bei der ersten Frühlingssonne auf den Arheilger Äckern spazieren und überall lagen kleine weiße Düngerkügelchen herum. Heutzutage sehen wir den Einsatz von Kunstdünger mit gemischten Gefühlen.

In der Zeit Justus von Liebigs war es eine bahnbrechende Entdeckung. Er hatte selbst Hungersnöte miterlebt und forschte nach Lösungen, um Ernten durch mineralischen Dünger ertragreicher gestalten zu können. Dies ist ihm gelungen.

 

Auch die Entwicklung des Fleischextraktes diente zunächst dazu, die durch Krankheit geschwächte Frau eines Freundes wieder zu kräftigen. So gingen bei Liebig Experimentier-freude, der Wunsch zu helfen und Praxis Hand in Hand.

Dass er bei seinen jugendlichen Experimenten mit Knall-silber die Apotheke in Heppenheim in Brand setzte, zeigt bereits früh seine große Zielstrebigkeit. Tatsächlich wurden Jahre später die Quecksilberspiegel durch seine Silberspiegel ersetzt.

 


Josepha von Siebold ist mir ganz besonders ans Herz gewachsen. Was habe ich um ihr Bild gerungen! Es  gibt eigentlich nur ein Bild von ihr und dies zeigt ein Hausmütterchen das bis zum Kinn mit Schleifen und Häubchen verpackt ist. Dazu diese komisch gedrehten Locken. Das Biedermeier hatte eine zum Teil grauenhafte Frauenmode. Ich habe versucht, die spannende Frau hinter dem Häubchen auszubuddeln und musste einige Versuche unternehmen, bis ich zufrieden war. Josepha und ich haben uns auf einen Kompromiss geeinigt und hoffen, dass diese Darstellung Interesse und Sympathie für diese bemerkenswerte Frau weckt. Mit sieben Kindern und über 30 Jahren startet sie noch mit einem Studium der Geburtshilfe, hinter einer Vorhang sitzend, weil Frauen ein Studium verwehrt war. Die Praxis erlernte sie bei ihren zweiten Mann, Damian von Siebold. Sie praktizierte bis ins hohe Alter und fuhr mit ihrer Kutsche über Land, um Frauen bei der Entbindung zu helfen. Die hygienischen Verhältnisse waren unvorstellbar, manchmal kamen Frauen auf einem Kartoffelhaufen im Keller nieder. Josepha half, oft mit eigenen Mitteln und starb sehr verehrt von der Darmstädter Bevölkerung im Alter von 78 Jahren. Ihre Tochter Charlotte Heiland wurde Frauenärztin und entband später die kleine Queen Victoria.


Carl Weyprecht verfolgte Zeit seines Lebens das Ziel, die Polarregionen zu erkunden und tatsächlich war es 1972 so weit, dass er unter der Leitung von Julius Payer die Österreichisch-Ungarische Nordpolexpedition als Kommandant zur See begleiten durfte.

Das Schiff, die Admiral Tegethoff blieb im Packeis stecken und Julius Payer erkundigt das Polargebiet auf dem Landweg. Carl Weyprecht blieb mit einem Teil der Mannschaft zurück. Die Lage wurde immer schwieriger und am 20. Mai 1874 gab Carl Weyprecht das Schiff auf und beschloss mit der kompletten Mannschaft über den Landweg zurück zu gehen. Diese Entscheidung rettete seinen Männern das Leben und bis auf einen Kameraden kamen alle wohlbehalten zurück und konnten von russischen Schiffe nach Norwegen gebracht werden. Bevor sie ihr Schiff verließen und auf den Rückweg machten, schrieb Weyprecht eine Flaschenpost, die tatsächlich 104 Jahre später im Polareis entdeckt wurde.