· 

Lilo Fink – flüchtiger Glanz

Flüchtigkeit und Vergänglichkeit  – vielleicht üben gerade diese Attribute eine besondere Faszination beim Thema Mode aus. Heute gefeiert – morgen vergessen. Ein glamouröses Szenario auf dem Laufsteg, dann geht es weiter zur nächsten Kollektion. Diese Flüchtigkeit stellte sich auch als großes Hindernis bei meinen Recherchen zu der Unternehmerin Lilo Fink / Fink Modelle GmbH heraus. So viele Auszeichnungen hatte sie erhalten – heute ist sie weitgehend unbekannt.

Im Internet ist nicht viel über Lilo Fink zu finden:

Die 70ger und 80ger Jahre waren noch weitgehend frei von Digitalisierung. Umso glücklicher war ich, als Johannes Breckner, Kulturredaktion, Darmstädter ECHO, mir die Möglichkeit gab, im Zeitungsarchiv nach alten Zeitungsartikeln zu Lilo Fink und der Fink-Gruppe zu stöbern: Modepreis der Stadt München (1976), Trophée international de l´industrie (1979), Unternehmerin des Jahres (1981) – ich war überzeugt, nun weitere Ansatzpunkte für meine Recherche zu finden – sogar Andy Warhol hatte ein Porträt der Unternehmerin gefertigt – aber alle Stränge verliefen ins Leere. Lilo Fink war nicht mehr bekannt, lediglich das Stadtarchiv München bot mir an, im Lesesaal, Einblick in ein paar Artikel zu nehmen. Das erschien  mir aber doch recht aufwändig und da Corona kurze Zeit später zum Lockdown führte, musste ich mit dem Material arbeiten, das mir zur Verfügung stand.

 

Dabei ist die Karriere von Lilo Fink beeindruckend. 1935 in Frankfurt geboren, machte sie nach dem Abitur eine Lehre zum Industriekaufmann bei Bosch. Danach besuchte sie eine Mannequinschule und arbeitete als „Vorführdame". So lernte sie auch ihren späteren Mann den Darmstädter Modeunternehmer Hugo Fink kennen. 

 Zusammen bauten sie die Fink-Gruppe weiter aus. 1968 wurde die Louis Féraud GmbH & Co.KG gegründet, die für den Pariser Modeschöpfer Louis Féraud Mode in Darmstadt produzierte. Es folgten die Marken Yarell-Strickmoden sowie der weitere Produktionsausbau. Als ihr Mann 1975 unerwartet starb, übernahm Lilo Fink die Unternehmensführung – und das mit Erfolg – was die vielen Ehrungen bezeugen. 1980 erhielt sie sogar das Bundesverdienstkreuz am Bande.
"Man kann fast alles im Leben, wenn man will. Man muss eben nur den Willen haben, seinen Platz richtig auszufüllen", so Lilo Fink 1976 in einem Interview der Stuttgarter Zeitung. Und diesen Willen besaß Lilo Fink: Ihr  Arbeitstag begann meist um 5 Uhr morgens und endete selten vor Mitternacht. Sie flog rund um die Welt, um Kollektionen zusammenzustellen, Modeschauen zu besuchen und Lieferungen zu organisieren. Sie „machte" Mode. Alles, was in ihrem Betrieb produziert wurde, ging über ihren Schreibtisch, sie kümmerte sich persönlich um Schnitte, Stoffe, um jedes Kleid, jeden Rock vom Design bis zur Fertigung. Und das zu einer Zeit, da dies alles für eine Frau nicht selbstverständlich war. Lilo Fink brachte Glamour und Weltläufigkeit nach Darmstadt. Sie wurde daher auch als „Darmstädter Modezarin“ bezeichnet. Sie expandierte bis nach New York. Allerdings konnte das mittelständische Unternehmen langfristig in der hart umkämpften internationalen Modebranche finanziell nicht bestehen.

1996 zog Lilo Fink sich aus der Leitung zurück, 1997 ging das Unternehmen

in die Insolvenz.

Lilo Fink starb 2001 auf Mauritius.


Vielleicht gibt es ja irgendwann mal eine detaillierte Biografie zu dieser spannenden Frau – ich würde mich freuen :-)

 

Ich danke sehr herzlich Johannes Breckner für die Einsicht in das Pressearchiv des Darmstädter ECHOs.