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Oh, Josepha

Josepha von Siebold (* 14. Dezember 1771 in Geismar; † 28. Februar 1849 in Darmstadt) ist mir ganz besonders ans Herz gewachsen. Was habe ich um ihr Bild gerungen! Es  gibt eigentlich nur ein Bild von ihr und dies zeigt ein Hausmütterchen", das bis zum Kinn mit Schleifen und Häubchen verpackt ist. Dazu diese komisch gedrehten Seitenlocken. Das Biedermeier hatte zum Teil eine grauenhafte Frauenmode!
Ich habe versucht, die spannende Frau hinter dem Häubchen auszubuddeln und musste einige Versuche unternehmen, bis ich zufrieden war. Josepha und ich haben uns auf einen Kompromiss geeinigt und hoffen, dass diese Darstellung Interesse und Sympathie für diese bemerkenswerte Frau weckt: 
Mit sieben Kindern und mit über 30 Jahren startet sie noch mit einem Studium der Geburtshilfe - hinter einer Vorhang sitzend - weil Frauen ein Studium damals verwehrt war. Ihr Schwager Adam Elias von Siebold tolerierte, dass sie seinen  Vorlesungen folgte. Die Praxis erlernte sie bei ihren zweiten Mann, Damian von Siebold. Sie praktizierte bis ins hohe Alter und fuhr mit ihrer Kutsche über Land, um Frauen bei der Entbindung zu helfen. Einmal brach der Boden der alten Kutsche durch und Josepha fiel durch das Loch und wurde eine Weile mitgeschleift. Sie hat es überlebt und weiter praktiziert.

 

Die hygienischen Verhältnisse waren damals unvorstellbar, manchmal kamen Frauen auf einem Kartoffelhaufen im Keller nieder. Josepha half, oft mit eigenen Mitteln, wo es ging. Zusätzlich erhielten sie und ihr Mann als erste die Erlaubnis die Darmstädter Bevölkerung gegen Pocken zu impfen.  Laut Siebold-Museum war die "Praxis" am Ballonplatz.

Josepha von Siebold starb sehr verehrt von der Darmstädter Bevölkerung im Alter von 78 Jahren. Ihre Tochter Charlotte Heiland wurde Frauenärztin und entband später die kleine Queen Victoria.